ACHE-Studie: Modellentwicklung zum Schmerzmanagement bei älteren Pflegebedürftigen

Das Ziel der ACHE-Studie ist die Erfassung des Schmerzgeschehens sowie des medikamentösen und nichtmedikamentösen Schmerzmanagements bei ab 65-jährigen weiblichen und männlichen Pflegebedürftigen in Berlin, die in der eigenen Häuslichkeit durch Angehörige und/oder professionelle Pflegedienste versorgt werden.

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ACHE – Schmerzmanagement bei älteren Pflegebedürftigen in der Häuslichkeit

Schmerz ist ein subjektives, komplexes Phänomen das somatische, psychische (emotionale und kognitive) und soziale Faktoren umfasst. Schmerzen gehören zu den häufigsten Diagnosen bei älteren Erwachsenen (≥ 60 Jahre) und stellen einen der größten Kostenfaktoren im Gesundheitssystem dar.

Die ACHE-Studie beschäftigt sich mit "PAin Management in Older Adults ReCeiving Home CarE".

International liegt die Schmerzprävalenz bei Menschen mit einem Durchschnittsalter von 75 Jahren bei bis zu 75%. Schmerzen haben signifikant negative Auswirkungen auf die individuelle Lebensqualität sowie auf die normale Funktionsfähigkeit und Aktivität. Diese können Pflegeabhängigkeit fördern, eine Steigerung der Intensität von Pflegebedarf hervorrufen und damit die Notwendigkeit institutioneller stationärer Pflege nach sich ziehen.

Für Deutschland wurden 2013 Prävalenzdaten zum Schmerzgeschehen bei Pflegebedürftigen erstmals von der Arbeitsgruppe des Instituts für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft für Heimbewohner und -bewohnerinnen vorgelegt. Zu Pflegebedürftigen in der Häuslichkeit liegen bisher keine detaillierten Informationen zu Schmerzen und zur Schmerzversorgung vor. Eine zentrale Herausforderung ist die Beschreibung des Schmerzerlebens bei Pflegebedürftigen mit kognitiver Einschränkung.

Ziel der ACHE-Studie

Das Ziel der ACHE-Studie ist die Erfassung des Schmerzgeschehens sowie des (nicht-) medikamentösen Schmerzmanagements bei ab 65-Jährigen Pflegebedürftigen in Berlin, die in der eigenen Häuslichkeit durch Angehörige und/oder professionelle Pflegedienste versorgt werden. Es werden versorgungsrelevante Einflussfaktoren, die mit dem Schmerzgeschehen älterer Pflegebedürftiger (mit und ohne kognitive Einschränkungen) assoziiert sind, untersucht.

Zudem werden Symptom-Cluster bei der Zielgruppe analysiert (Typenbildung). Die ACHE-Studie ist eine Querschnittstudie mit Primärdatenerhebung.

Die Studienteilnehmer werden über eine Zufallsauswahl ambulanter Pflegedienste und Pflegeberatungsstellen rekrutiert. Von Schmerzen betroffene Pflegebedürftige werden zum Schmerzgeschehen sowie zum pflegerischen und ärztlichen Schmerzmanagement befragt.

Zudem werden Informationen von Angehörigen eingeholt, sofern diese in die Organisation und/oder Durchführung der Pflege involviert sind. Die Ergebnisse der ACHE-Studie werden Hinweise auf therapeutische und pflegerische Interventionen für Pflegebedürftige liefern und können als Ausgangspunkt für eine anschließende Interventionsstudie mit einem "Modellvorhaben zum Schmerzmanagement im Setting der häuslichen Pflege" dienen. Perspektivisch werden noch zu definierende Anforderungen an die hausärztliche und pflegerische Versorgung als Grundlage für die Weiterentwicklung der Pflegeversicherung fungieren.

Projektlaufzeit

  •  01.05.2017 – 30.04.2019

Kooperationspartner

  • Berliner Pflegedienste

Mittelgeber

  • Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen

Projektleitung

Dr. rer. medic. Dagmar Dräger

Forschungsbeauftragte
Leitung der Abteilung Demographischer Wandel und Alter
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

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Projektteam

  • Juliana Schneider
  • Laila Zaidi-Touis
  • Juliana Supplieth
  • Johanna Lindner
  • Manuela Paschke-Duke

Abgeschlossene Schmerzstudien

Autonomie trotz Schmerz (PAiN)

PAiN ist ein Kooperationsprojekt zweier Institute der CharitéUniversitätsmedizin Berlin. Das Projekt richtet seinen Fokus auf das Phänomen Schmerz bei mehrfach erkrankten Heimbewohnerinnen und Heimbewohnern über 65 Jahre.

Dabei stehen die Wechselbeziehungen zwischen

  • Schmerzen,
  • Multimorbidität und
  • Autonomie einerseits und

die Zusammenhänge zwischen individuellen Ressourcen sowie medizinischen und pflegerischen Interventionen mit dem Schmerzgeschehen andererseits im Mittelpunkt der Forschung.

Die Angemessenheit und die Qualität der schmerzbezogenen Arzneimittelversorgung von Pflegeheimbewohnerinnen und Pflegeheim-bewohnern werden dabei besonders untersucht. Hierfür werden drei unterschiedliche Zugangswege und Datenquellen genutzt:

  1. Daten einer Krankenkasse,
  2. die elektronische Dokumentation eines Heimträgers mit 6.000 Plätzen sowie
  3. Daten einer Zufallsstichprobe von 1.000 Bewohnern Berliner/ Brandenburger Pflegeheime.

Eine Besonderheit stellt die Integration auch stark kognitiv beeinträchtigter Personen in die Studie dar.

PAIN strebt eine umfassende Charakterisierung des Schmerzgeschehens bei Heimbewohnerinnen und Heimbewohnern an, um daraus Konsequenzen für therapeutische und pflegerische Interventionen sowie für strukturelle Maßnahmen zur Erhaltung und Förderung der Autonomie trotz Schmerzen abzuleiten. Darüber hinaus werden der Gesundheits- und Sozialberichterstattung geeignete Zugänge zu einer Heimpopulation und Erhebungsinstrumente bereitgestellt.

Projektlaufzeit:

02/2008 - 01/2011

Förderer:

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Projektleitung:

  • Dr. Dagmar Dräger (Institut für Medizinische Soziologie)
  • Prof. Dr. Reinhold Kreutz (Institut für Klinische Pharmakologie und Toxikologie)

Projektteam:

  • Dipl.-Pflegewirtin Kirsten Kopke (Institut für Medizinische Soziologie)
  • Dipl.-Pflegewirt (FH) Thomas Fischer, MPH (AG Pflegerische Versorgungsforschung)
  • Apothekerin Marita Kölzsch (Institut für Klinische Pharmakologie und Toxikologie)

Interventionsstudie zum angemessenen Schmerzmanagement älterer Menschen in Pflegeheimen (PAIN Intervention)

Internationale und nationale Studien belegen, dass die Mehrheit der Menschen, die in Pflegeheimen lebt, von Schmerzen betroffen ist. Die Studie PAIN I (2008-2010) hat erste empirische Daten zu Schmerzprävalenz sowie Qualität und Angemessenheit von pharmakologischer und nicht-pharmakologischer Behandlung von Schmerzen in deutschen Pflegeheimen präsentiert. Die Ergebnisse zeigten eine hohe Prävalenz von Schmerz und signifikante Defizite in der Schmerztherapie bei deutschen Pflegeheimbewohnern mit und ohne kognitive(r) Einschränkung.

Ziel der Studie

„Pain INTERVENTION“, ein Teilprojekt des Forschungsverbundes „Autonomie trotz Multimorbidität im Alter“ verfolgte das Ziel, die Frage zu beantworten, ob die Umsetzung einer interdisziplinären Handlungsempfehlung zum Management von Schmerzen bei älteren Menschen in Pflegeheimen und zielgruppenspezifische Fortbildungen die Schmerzsituation von Pflegeheimbewohnern und die Schmerzversorgung in Pflegheimen verbessern.

Im Rahmen der cluster-randomisierten kontrollierten Studie in zwölf Berliner Pflegeheimen wurde das Schmerzgeschehen von auskunftsfähigen Bewohnern zu drei Zeitpunkten untersucht. Neben standardisierten Interviews mit den Bewohnern wurde eine detaillierte Analyse der Pflegedokumentation vorgenommen. Nach der Baseline-Erhebung wurden Hausärzte und pflegerisches Personal der Interventionsgruppe zum Schmerzmanagement bei Pflegeheimbewohnern fortgebildet.

Ergebnisse

Insgesamt wurden 239 Bewohner mit einem Durchschnittsalter von 82,9 Jahren in der ersten Erhebung eingeschlossen. Die Mehrheit (81,6%) war von Schmerzen betroffen. Die Ergebnisse zeigen nach der Intervention teilweise moderate positive Veränderungen im Schmerzmanagement, z.B. hinsichtlich einer Verbesserung des Verordnungsverhaltens der Hausärzte in der Schmerzmedikation. Innerhalb von sechs Monaten konnte die Schmerzintensität in der Interventionsgruppe um 0,9 Punkte auf der NRS gesenkt werden und der Anteil der von Schmerz betroffenen verringert werden. Der Einsatz nichtmedikamentöser Maßnahmen durch das Pflegepersonal hat sich nicht signifikant verändert. Ergebnisse der anonymen, freiwilligen Evaluation zeigen eine positive Bewertung der Maßnahme und eine hohe Motivation des Pflegepersonals, ein Veränderungsbedarf in den Institutionen im Schmerzmanagement wurde jedoch vielfach als nicht notwendig erachtet.

Aus der Studie wurde geschlussfolgert, dass Richtlinien, Empfehlungen und Schulungen Optimierungsmöglichkeiten im Schmerzmanagement bieten. Allerdings sind kontinuierliche zielgruppenspezifische Fortbildungen zum Schmerzmanagement und eine Einflussnahme auf Rahmenbedingungen notwendig, um stärkere Effekte zu erreichen und ein effektives Schmerzmanagement zu ermöglichen. Darüber hinaus sollte die Zusammenarbeit mit und Erreichbarkeit von Hausärzten verbessert werden.

 

Projektlaufzeit:

01.01.2011 - 31.12.2013

 

Kooperationspartner:

Vivantes – Forum für Senioren GmbH

Dr. Ronny Kuhnert, RKI

 

Förderer:

BMBF

 

Projektleitung:

Dr. Dagmar Dräger

Prof. Reinhold Kreutz (Institut für Klinische Pharmakologie und Toxikologie)

 

Projektkoordination:

Dr. Andrea Budnick

 

Mitarbeiter:

Dr. Sonja Kalinowski

Dr. Ines Wulf

Dr. Franziska Könner